Farn

Grundlagen der räumlichen Bilder

Die Entdeckung der Stereotapete war ein Meilenstein auf dem Weg zum Einbildstereogramm.

Die Stereotapete oder das Zufallsstereogramm

Die Entwicklung der Einbildstereogramme ist vermutlich auf die zufällige Entdeckung des Stereotapeteneffektes zurückzuführen. Auf regelmäßigen klein gemusterten Tapeten hat man nämlich den deutlichen Eindruck, dass unterschiedliche Musterelemente in mehreren Ebenen hintereinander geschichtet sind. Diese Wahrnehmung tritt nur auf, wenn man völlig entspannt gedankenverloren in die Ferne schaut und die Tapetenwand im Blickfeld liegt (Parallelblick). Auch mit dem Kreuzblick, bei dem man die Augenachsen kreuzt, kann man den Effekt sehen. Dieses Schielen vertauscht linkes und rechtes Bild und alle Tiefeneindrücke wandeln sich in ihr Gegenteil; ein parallel betrachtet nahes Detail erscheint entfernt und umgekehrt.
Einzige Bedingungen für geeignete Muster sind Größen von wenigen Zentimetern und ein unterschiedlicher Abstand einiger Musterelemente, denn Musterwiederholungen mit unterschiedlichen Abständen erscheinen in getrennten Tiefenebenen. Bereits in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts wurden aus dieser Entdeckung gezeichnete Zufallspunktstereogramme und Textstereogramme, die man mit der Schreibmaschine herstellen kann, entwickelt. Hier ist ein Beispiel für ein Textstereogramm. Bei richtiger Betrachtung mit dem Parallelblick sieht man in der Mitte des Feldes ein Buchstabenrechteck, das nach vorne tritt; mit Kreuzblick geht das Rechteck nach hinten:

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Da das menschliche Sehvermögen auf die Tiefenwahrnehmung eingerichtet ist, versucht das Gehirn ständig, korrespondierende Bildelemente, die vom linken und rechten Auge kommen, zu einem Tiefenbild zu verschmelzen. Das geht aber nur, wenn man das Musterbild nicht fokussiert, sondern seine Augen auf unendlich einstellt. In einem sich wiederholenden Muster wird dann jeweils ein Musterpaar verschmolzen gesehen. Dabei vermindert sich nicht etwa die Anzahl der gesehenen Musterelemente, sie erhöht sich sogar, weil die Zahl der gesehenen Kombinationen größer ist als die Zahl benachbarter Paare. ändert man nun an bestimmten Stellen die Musterbreite oder den Musterabstand, springt das Element in eine andere Tiefenebene. Im Beispiel hat man in den Reihen zwei bis vier im jeweils dritten bis fünften Muster den Buchstabe k durch den schmaleren Buchstaben l ersetzt. Das hat die Musterbreite verändert. Beim Textstereogramm auf der Startseite des Artikels wurde dagegen der Effekt durch variable Abstände zwischen identischen Worten "3D" erzielt.


Stereotapete

Eine Stereotapete, regelmäßige Muster, gleiche Abstände innerhalb einer Zeile

In der Stereotapete ist das Muster zugleich auch der Gegenstand. Durch Anordnung in variablen Abständen erscheinen die Muster in unterschiedlichen Ebenen. Solche Bilder werden oft auch von Nicht-3D-Sichtigen als ästhetisch empfunden, da die Muster unverzerrt wiedergegeben werden. Die neue Sicht bringt auch zufällige Stereogramme hervor; man beachte gemusterte Tapeten, Decken, Servietten, Heizkörper, Rohrstapel, usw.

Quick-Links

Stereo-Bilder:

Stuttgart 3D

Alex-3D

© 2007 Ulrich Schwebinghaus